„All governments lie“ – „Jede Regierung lügt“ - Darum wird investigativer Journalismus immer wichtiger! - netzfrauen (2022)

„Jede Regierung wird von Lügnern betrieben und nichts von dem, was sie sagen, sollte geglaubt werden.“ Dieses Zitatdes amerikanischen Ausnahme-Journalisten I. F. Stone macht sich eine starke Generation investigativer Journalisten wie Laura Poitras, Amy Goodman, Jeremy Scahill oder Michael Moore zum Motto, um Lügen und Betrügereien von Regierungen aufzudecken und mit Fakten zu widerlegen.

Oliver Stonewurde bereits dreimal mit dem Oscar ausgezeichnet. Er ist einUS-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. In Deutschland wurde er mit dem KriegsfilmPlatoon bekannt. Bis heute gilt dieser Film als einer der Besten derer, die sich mit dem Thema Vietnamkriegauseinandersetzten. Es folgten viele weiteren Filme wie zum BeispielWall Street, der seiner Zeit schon lange voraus war, denn wen interessierte bis Dato schon, zu was man an der Börse fähig ist. Kurzum, Oliver Stone hat sich schon immer auf seine Art in die Politik eingebracht und auch seine jetzige Dokumentation „All governments lie“ zeigt, wie wichtiginvestigativer Journalismus in der heutigen Zeit ist. In der Dokumentation beschreibt er genau, wie abhängig die Medien zum Beispiel von Werbeeinnahmen geworden sind, die ja von großen Konzernen bezahlt werden.

Der amerikanische JournalistI. F. Stone dürfte hier in Deutschland unbekannt sein. Doch sowohl in den USA alsauch fürunsinvestigative Journalisten ist er ein Vorbild. Fakten sammeln und so beweisen, dass aufgezeigt werden kann, was richtig ist. Oder was wirklich hinter so manchen Schandtaten steckt.

Wir könnten auch schreiben, die Börse lügt nie, denn wer seine Meldungen nicht rechtzeitig herausgibt, wird bestraft. Das sehen wir gerade an dem Autokonzern VW. SieheVW-Skandal – Wenn man glaubt, es kann nicht schlimmer werden…– Bislang ist alles so eingetroffen, wie wir es schon gleich am Tag der Bekanntgabe, dass VW geschummelt haben soll, berichteten.

Hätte sich ein Journalist hingesetzt und die Fakten richtig gesammelt, wäre die Berichterstattung schnell vorüber gewesen. Aber so ist es nicht, denn mit solchen Schlagzeilen macht man das Geld. Ok, VW wird vielleicht nicht gerade Werbungen schalten, aber da die Einschaltquoten steigen, wird auch der Werbeplatz teurer und den kauft dann schnell mal die Pharma. Ach ja, Pharma, auch so ein Thema.

Medienkonzern Prosiebensat1 – 27 Millionen Euro für den Chef von Pro Sieben

War Ihnen bekannt, dass der Vorstand von Pro7 aus der Pharma kommt? Nun schauen Sie sich die Werbungen an: genau – alles, was der Mensch braucht, um gesund zu werden oder zu bleiben. Wer liest denn schon über die Nebenwirkungen?!

Vor zehn Jahren hatten Wettbewerbshüter eine Fusion verhindert. Letztes Jahr gab es dann in der Finanzwelt einen Aufschrei, nachdem bekannt wurde, dass der Axel-Springer-Verlag sich in Fusionsgesprächen mit dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 befinden sollte. Kurze Zeit später dann ein Aufatmen –Die Medienkonzerne Axel Springer und ProSiebenSat.1 werden doch nicht fusionieren.

Die ProSiebenSat.1 Group ist eines der führenden Medienhäuser in Europa. Sie erreichen mit den TV-Sendern in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 41 Millionen TV-Haushalte. Auch der bekannteYouTuber LeFloidlässt sich seit neuestem vom MCN des Pro7Sat1-Konzerns vermarkten.

Dass die Mediengiganten in gemeinsame Projekte investieren, erkannte man an der Investition in ein amerikanisches Start-up, das sich auf die Erstellung und Verbreitung von Virtual-Reality-Inhalten spezialisiert hat. Seit 2010 ist SevenOne Media zu einem Viertel am gemeinsam mit G + J Electronic Media Sales (Gruner + Jahr/ Bertelsmann), IP Deutschland (RTL-Group/ Bertelsmann) und Tomorrow Focus (Burda) gegründeten Joint-Venture „Ad Audience“ beteiligt. Das deutsche Unternehmen soll mit der gewaltigen Online-Werbemacht von Google konkurrieren. Seit 2011 kooperiert das ProSiebenSat.1-Unternehmen neben SevenOne Media auch mit Axel Springer und übernimmt „die exklusive Zweitvermarktung von Werbeplätzen“ von dessen Online-Angeboten wie bild.de.

Im Juni übernahm die ProSiebenSat.1 Group die Mehrheit am Stromvergleichsportal Verivox und für fast 1,3 Mrd. Dollar schnappten die japanische Mediengruppe Nikkei der Axel-Springer-Gruppe die Financial Times weg.Für Springer wäre der Kauf ein Mega-Coup gewesen. Die Financial Times ist eine der renommiertesten Medienmarken der Welt. Die Welt der Medienmogule bleibt spannend. Denn wie auch schon in der Pharmaindustrie oder bei anderen Konzernen hat das „große Fressen“ bereits begonnen.

Nun die Frage: Wie unabhängig sind Medien noch?

Nehmen wir die öffentlich-rechtlichen Medien. Jedes Mal hören wir „recherchiert von NDR, WDR und Süddeutschen Zeitung“. Ok, wem ARD und ZDF gehört, wissen wir, denn wir zahlen ja auch fleißig dafür. Wer aber das Sagen hat, wissen wir nicht. Dazu auch:Der reinste Irrsinn: ARD und ZDFÜbrigens brauchen die Sender viel Geld, denn die teuren Experten wie Oliver Kahn beim ZDF undMehmet Scholl bei der ARD erhielten jeweils etwa 1,6 Millionen Euro im Jahr undGünter Netzer in vier Jahren 3,85 Millionen Euro. Aber pünktlich vor der Tagesschau, des Deutschen liebstes Kind, taucht wieder Werbung von der Pharma auf.

Wem gehört aber die Süddeutsche Zeitung, die ja immer wieder von den öffentlich-rechtlichen Medien genannt wird?

2007 fragte der Tagesspiegel:Wer steckt hinter der SWMH, die die „Süddeutsche Zeitung“ kauft?

Hier sollte man wissen: Laut einem Ranking des Manager-Magazins gehört Schaub zu den 100 reichsten Deutschen. Sein Vermögen wird auf 1,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die Familie Schaub aus Neustadt an der Weinstraße ist mit 44,4 Prozent an der Südwestdeutschen Medien- Holding (SWMH) beteiligt. Zu ihr gehören Blätter wie die „Stuttgarter Zeitung“, die „Stuttgarter Nachrichten“ sowie weitere Medienbeteiligungen vorzugsweise im Schwäbischen. Ende Februar 2008 wird die SWMH ihren Anteil am Süddeutschen Verlag (SV) auf 81,25 Prozent aufstocken. Für geschätzte 600 Millionen Euro übernimmt das Medienkonglomerat weitere 62,5 Prozent am SV, die von vier Altgesellschaftern angeboten worden waren – und damit die fast uneingeschränkte Kontrolle über die größte überregionale Abonnementszeitung der Republik, die „Süddeutsche“. (…)

Wichtigster Partner der Schaubs war und ist Eberhard Ebner, der Verleger der Ulmer „Südwest Presse“ und Sprecher der Gruppe Württembergischer Verleger. Auch Ebner ist nicht gerade als Plaudertasche bekannt. Wie die ihm verbundene Verlegerfamilie arbeitet Ebner bei möglichst steigenden zweistelligen Renditen still an der Ausweitung seines Radius. Streitigkeiten mit dem einzig verbliebenen SV-Altgesellschafter, der Familie Friedmann („Abendzeitung München“), sind nicht zu erwarten. Anneliese Friedmann und Eberhard Ebner sind ein Paar (…), hieß es in einem Bericht derTagesspiegel2007

Seit dem 29. Februar 2008 gehört der Süddeutsche Verlag zu 81,25 Prozent der Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) mit Sitz in Stuttgart. Laut Wikipedia: Entsprechend änderte sich die Zusammensetzung des „Herausgeberrates der Süddeutschen Zeitung“. Ihm gehören nun an: Eberhard Ebner (Sprecher der Gruppe Württembergischer Verleger), Johannes Friedmann (Vorsitz),Thomas Schaub (Medien Union) und Christoph Schwingenstein. Der Herausgeberrat „bestimmt die grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung und das Erscheinungsbild der Süddeutschen Zeitung und fällt wichtige personelle Entscheidungen“ (lt. SZ vom 13. März 2008).

Man fragt sich schon, da doch sehr auffällig, weil es immer wieder heißt „laut NDR, WDR und Süddeutschen Zeitung“. Achten Sie mal drauf.

Wir wollen uns aber jetzt nicht die deutschen Medien anschauen, die ja in der Hand einiger Weniger sind, denn auchZeit, Stern, Spiegel, Focus – Wer gehört zu wem?– Natürlich riesige Medienmogule.Man bezeichnet Einzelpersonen als Medienmogule, wie auch Familien wie Bertelsmann, Springer und Burda, oder die schweigsame Familie Schaub.

Was Oliver Stone mit seiner Dokumentation zeigen will, ist, waruminvestigativer Journalismus in der heutigen Zeit so wichtig ist. Ob wir noch weiterhin so arbeiten können, liegt daran, wie die Leser hinter uns stehen. Wir Netzfrauen zum Beispiel haben das Glück, uns diesen Luxus leisten zu können, denn wir erwirtschaften kein Geld. Das Bisschen, was durch Google AdSense hereinkommt, reicht nicht mal, um die Kosten für den Server zu zahlen. Nun brauchen wir auch nicht überall Journalisten hinschicken, sondern durch unserer großes weltweites Netzwerk bekommen wir immer sofort irgendwelche Meldungen, die wir dann „verarbeiten“ können. Schon während der Occupy-Wallstreet-Bewegung stelltenwir alle fest, dass wir unsere eigenen Medien brauchen und dazu auch unsere eigenen Experten aus vielen Branchen wie Bankern Wissenschaften, Aktivisten u. s. w.

MitAmy Goodman, die ja erst kürzlich verhaftet wurde, nachdem sie bei Standing Rock gerade zufällig dort war, als die dortigen Protestler mit Hunden und Tränengas angegriffen wurde und filmte, haben wir einen Kanal, der die Nachrichten in die Welt per Video bringt. Sie hat auch einen sehr interessanten Beitrag darübergeschrieben, wie Mediendie Präsidentschaftswahlen beeinflussten. Denn es waren die Medien, die permanent über Donald Trump berichteten. Ein Bernie Sanders hat dank Medien nie eine Chance gehabt. Siehe:Welche Macht die Medien heute haben, zeigt sich aktuell ganz deutlich am Beispiel Amerika – Amy Goodman : How the Media Ruins Elections

Die Medien produzieren Zustimmung – zu Kriegen, zu Kandidaten bei Wahlen, indem sie zum Beispiel mehr und öfter über bestimmte Personen berichten wie aktuell über Donald Trump. Er wird in jeden Haushalt hineingepumpt. Dabei kann er beruhigt in einer seiner prunkvollen Villen in New York, Florida oder sonstwo hocken bleiben. Die anderen Kandidaten ackerten sich von einem Staat zum nächsten. Warum bekommt er praktisch eine ungefilterte Pipeline direkt in das Hirn jedes Einzelnen, über unsere Augen direkt in unser Bewusstsein? Auch heute noch, sogar Bild sprach mit ihm und so wird Trump wieder in Millionen Haushalte transportiert.

Doch anstatt eine Antwort zu bekommen, gibt man nun den Fakenews die Schuld, anstatt mal die Medien bzw, deren Verantwortliche zu fragen. Sie beeinflussen doch, was wir wissen oder nicht wissen sollen.

Mittlerweile flimmert doch auch bei uns jede Woche ein Politiker in einer Talkshow über den Bildschirm. Man wartet ja förmlich auf den ersten Politiker, der sich freiwillig ins „Dschungelcamp“ begibt. 7 Millionen Menschen täglich zu erreichen, ist nicht schlecht für einen Politiker. Genau das hat doch auch Donald Trump genutzt, denn er weiß, was die Menschen hören wollen.

Schon während der Schlammschlacht mit seiner Ex-FrauIvana Trumpsoll er gesagt haben, negative Nachrichten sind super. Spätestens in drei Monaten haben die Menschen vergessen, worüber sie sich aufregten, aber sie wissen nun, wer er ist. Und so ist es : „bad news are good news“ – in der Wirtschaft schon lange bekannt. Meist durch negative Schlagzeilen prägt sich der Name ein. Daher auchDanke an unsere Kritiker, die es gut mit uns meinten, wennsie so negativ über uns Netzfrauen berichteten. Denn die Chance, jetzt etwas zu bewegen, ist viel größer geworden, nachdem man uns nun kennt.

Wie schon geschrieben,investigativer Journalismus wird immer wichtiger, wie auch Oliver Stone in seinem Beitrag zeigt. In den USA gibt es mittlerweile große Plattformen mit vielen Abonnenten, die freiwillig zahlen. Denn komisch, je professioneller die Plattformen werden, desto glaubwürdiger scheinen sie. Obwohl, auch da ist Vorsicht geboten. Wir haben zum Beispiel in Deutschland auch Youtube-Kanäle, die vorgeben, investigativen Journalismus zu betreiben. Das tun sie vielleicht auch. Aber die verdienen daran, dass sie auch mit Unwahrheiten viele Leser ködern. Nun ja, jeder kann sich selber eine Meinung bilden, denn dafür haben wir ja die Demokratie.

Jede Regierung lügt –Wahrheit, Manipulation und der Geist des I. F. Stone

arte.tv > Mediatheknicht mehr verfügbar!

„All governments lie“ – „Jede Regierung lügt“ - Darum wird investigativer Journalismus immer wichtiger! - netzfrauen (4)

„In unserem hochtechnologisierten, digitalen Zeitalter mit hochauflösendem Fernsehen und digitalem Radio empfangen wir nichts anderes als Statik. Dieser Schleier von Verzerrungen, Lügen, Falschdarstellungen und Halbwahrheiten vernebelt die Realität. Was wir von den Medien wirklich brauchen, ist Kritik, Opposition, unerwünschtes Einmischen und Hinterfragen. Wir brauchen Medien, die über Macht berichten, nicht Macht erschaffen. Wir brauchen die Medien als vierte Macht im Staat, nicht als Macht für den Staat. Und wir brauchen Medien, die über Stabilität-schaffende Bewegungen Bericht erstatten und Geschichte schreiben.“Amy Goodman von der Organisation „Democracy Now“,

Medienkonzerne und die konvergierende Medienbranche sind immer weniger nach innen und außen transparent. Sie sind umgeben von vielen weiteren kleinen Konzernen, Tochtergesellschaften oder Beteiligungen.

Egal ob Post, Trinkwasser, Nahrungsmittel, Pharma oder Internetdienstleistungen – diese Branchen gehören nur einigen wenigen Konzernen, die dann irgendwie, und sei es durch den Aufsichtsrat, vernetzt sind. SieheKonzerne – Vernetzung der einzelnen Aufsichtsräte – man kennt sich!

Oder aber werden diese Konzerne durch diegrößten Vermögensverwalter der Welt kontrolliert – sieheBanken regieren die Welt- doch wer regiert die Banken? State Street Corporation, Vanguard Group, Fidelity und Blackrock

Was ein Konzern wert ist, sieht man an einemManagergehalt in Höhe von27 Millionen Euro für den Chef von Pro Sieben Sat1Thomas Ebeling. Er verdiente im letzten Jahr von allen Vorstandchefs das höchste Gehalt.

NetzfrauDoro Schreier

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Author: Msgr. Benton Quitzon

Last Updated: 01/04/2023

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